EC -Encephalitozoon Cuniculi

E. Cuniculi, auch kurz EC genannt ist eine Erkrankung die durch einen einzelligen Parasiten ausgelöst wird und meist das Nervensystem betrifft. Dies löst auch die typische Kopfschiefhaltung aus, die oft beobachtet wird.
Aber nicht immer wird der Kopf schief gehalten, EC hat viele Gesichter.

Syptome

Einige mögliche Symptome die einzeln oder gemeinsam auftreten können:

  • Schiefhaltung des Kopfes
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Rollen um die eigene Achse
  • Lähmungserscheinungen an Gliedmassen (z. B. der Hinterläufe)
  • Nystagmus  (unruhiges Hin- und Herschnellen der Augen)
  • Uveitis (ein- oder beidseitige Pupillentrübung)
  • Scannen (pendelnde Kopfbewegungen)
  • Appetitlosigkeit und Nahrungsverweigerung
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Apathie
Phakoklastische Uveitis – ausgelöst durch EC

Im oben genannten Fall z. B. hat das Kaninchen „nur“ eine Trübung der Augenlinse. Ansonsten liegen keine Symptome vor.  In diesem Fall wird die Linse des Auges von dem EC Erreger besiedelt. Dadurch kommt es zu einer Linsenkapselruptur (Gewebezerreißung), welche das austretende Linsenprotein zerstört. Das Protein wird hierbei als körperfremd angesehen und eine Entzündung (Uveitis) auslöst. Das Allgemeinbefinden der Tiere ist meist unauffällig, es sei denn es kommt ein Glaukom hinzu (überhöhter Augeninnendruck). Das Auge sollte von einem spezialisierten Tierarzt untersucht werden!
Diese Form der EC weist meist auf eine frühe Ansteckung im Mutterleib hin.
Eine Behandlung der Uveitis ist möglich, das abgestoßene Protein bleibt aber in der Regal sichtbar. Dies bedeutet das die Trübung der Linse bestehen beleibt und die Sehkraft dauerhaft eingeschränkt ist.

Übertragung / Ansteckung

EC ist eine Zoonose und wird von Tier zu Tier übertragen. Dies bedeutet das es eine ansteckende Krankheit ist, die artenübergreifend übertragbar ist. Unsere Kaninchen können sich z. B. bei Mäusen, Ratten oder anderen Kaninchen anstecken. Der Erreger vermehrt sich über Sporen, die mit dem Urin und dem Kot ausgeschieden werden und so von anderen Tieren aufgenommen werden.
Rein theoretisch kann der Erreger auch auf Katzen, Hunde und andere Haustiere übergehen, sowie auch auf uns Menschen. Dies passiert allerdings äußerst selten, es ist mir kein Fall bekannt und ich konnte auch keine Belege dazu im Netz finden. Vorsicht ist lediglich für Menschen mit geschwächtem Immunsystem geboten (z. B. nach Organtransplantationen, AIDS, Krebserkrankung, etc.)

Ist der Erreger einmal im Körper, bleibt er lebenslang dort. Man geht davon aus das 40% – 80% aller Kaninchen den Erreger in sich tragen, dieser aber nie zum Ausbruch kommt. Mögliche Ursache für einen Ausbruch ist in den meisten Fällen ein geschwächtes Immunsystem, z. B. durch Stress. Dieser kann beispielsweise durch eine VG, einen Wetterumschwung, einen Umzug, usw. ausgelöst werden.

Da die Durchseuchung unserer Hauskaninchen recht hoch ist und man davon ausgehen kann das, mehrere Tiere den Erreger in sich tragen, wenn ein Tier einen EC Ausbruch hat, ist es sinnlos sie nach einem Ausbruch zu trennen. Es wäre für die Genesung des erkrankten Kaninchens sogar schädlich! Das Partnertier sollte also immer dabei bleiben, bzw. das erkrankte Tier in der gewohnten Gruppe verbleiben. Eine Trennung oder ein Umzug in ein anderes Gehege würden Stress bedeuten und einer Genesung extrem im Wege stehen. Anders verhält es sich natürlich falls das betroffene Kaninchen von anderen angegriffen wird.

gute Freunde sind wichtig für die Gesundung!

Unterbringung während der Erkrankung

Hat das erkrankte Kaninchen Gleichgewichtsstörungen und/oder Koordinationsstörungen sollte man das vorhandene Gehege ggf. absichern.  Der Patient sollte nirgendwo runter fallen können! Auch kleine Stufen können zu Stolperfallen werden. Unser Kaninchen hat sich z. B. während der Erkrankung nicht mehr aus dem Stall getraut, da er sich bei der Stufe von ca. 18cm überschlagen hat und diese somit ein unüberwindbares Hindernis für ihn bedeutete.

Nach der ersten Zeit der Behandlung habe ich ihm daher eine Rampe gebaut, mit Geländer an der Seite, so das er gefahrlos aus dem Stall laufen kann.

selbstgebaute Rampe aus vorhandenen Holzresten 😉

Diagnose

Die Diagnose sollte immer durch einen kundigen Tierarzt gestellt werden!
Durch die unterschiedlichen Gesichter der EC-Erkrankung ist es nicht immer einfach eine genaue Diagnose zu stellen. Insbesondere bei der Kopfschiefhaltung kann es zu Verwechslungen mit einer Otitis (Mittelohrentzündung) kommen. Es ist wichtig das der Tierarzt kompetent ist und das Kaninchen genau untersucht.

Therapie/Behandlung

Das A und O liegt bei einer schnellen Behandlung der Erkrankung! Bleibt sie längere Zeit unbehandelt kann die Schädigung des Nervensystems unter Umständen zu weit fortgeschritten sein und eine vollständige Genesung unmöglich machen.

Medikamente bei E. Cuniculi

Ich habe mein, an EC erkranktes, Kaninchen mit den oben gezeigten Medikamenten behandelt. Er war nach 3,5 Wochen genesen und sprang wieder im Garten umher! Dies ist ein toller Erfolg, aber nicht unbedingt der Regelfall. Die Behandlung und Genesung von EC kann unter Umständen Wochen und Monate dauern. Also nicht aufgeben und Geduld haben!

Ich habe folgende Medikamente eingesetzt:

  • Fenbendrops / Panacur (Fenbendazol) – 1 x täglich  20mg / pro kg Körpergewicht über 28 Tage
    (beim Tierarzt erhältlich)
    – Fenbendazol wirkt aktiv gegen den Erreger und ist das wichtigste Medikament bei der Therapie
  • Vitamin B – 1 x täglich  1ml  über 28 Tage oder länger (es kann nicht überdosiert werden)
    -Vitamin B wirkt positiv auf das Nervensystem und hilft dieses zu regenerieren, das zweite Standbein der Therapie
    (z. B.  RodiCare VitaminB)
  • Enrobactin (gleicher Wirkstoff wie Baytril nur in anderer Dosierung) Antibiotikum – 2 x täglich nach Verordnung über 7 Tage
    – das Antibiotikum wirkt gegen mögliche Sekundärerkrankungen der Organe, die durch EC ausgelöst werden können. Häufig sterben Tiere an diesen sekundären Erkrankungen, daher ist ein AB in der ersten Woche ratsam
    (nur beim Tierarzt erhältlich)
  • Vertigoheel Tropfen – 2 x täglich  ca. 3 Tropfen so lange wie nötig
    Vertigoheel ist ein homöopathisches Arzneimittel das gegen Schwindelzustände wirkt
    (z. B. Vertigoheel Tropfen)
  • CBD-Tropfen 5%ig – 2 x täglich  ca. 2 Tropfen so lange wie nötig
    CBD-Tropfen werden aus Hanföl gewonnen und enthalten das beruhigende und gesundheitsfördernde CBD-Öl, aber nur eine sehr geringe Menge an THC
    (z. B. Neohemp Oil für Hunde und andere Haustiere)
  • Wiesenbärenklau – 2x täglich eine gute Handvoll so lange wie nötig
    Wiesebärenklau unterstützt natürlich die Abwehrkräfte gegen EC
    (im Sommer kann man ihn in der Landschaft pflücken, im Winter zu bestellen z. B. bei Kaninchenladen.de)
  • Kolloidales Silberwasser – täglich als Trinkwasser über 14 Tage (nicht länger!)
    kolloidales Silberwasser ist weitestgehend mit einem natürlichen Antibiotika zu vergleichen, es tötet in wenigen Minuten viele Viren und Bakterien ab. Es greift hingegen keine gesunden Körperteile an und ist nicht schädlich für die Darmflora. ACHTUNG: Es sollte nicht länger als 2 Wochen gegeben werden, da sich die Silberpartikel in den Organen anlagern können und diese irreparabel schädigen können.
    (z. B. Lifetec kolloidales Silberwasser) – mehr Infos zu kollodialem Silberwasser findet Ihr hier: Möhren-sind-orange
    Eine persönliche Anmerkung: ich kam erst nach der ersten Woche Behandlung auf die Idee Silberwasser zu verwenden und habe festgestellt das die Genesung unter der Gabe von Silberwasser einen rasanten Sprung nach vorne gemacht hat (mag Zufall sein, muss aber nicht). An EC erkrankte Kaninchen trinken meist ohnehin relativ viel, da der Erreger über die Nieren ausgeschieden wird.
  • Päppelbrei – sollte das Kaninchen nicht mehr selbstständig fressen muss mehrmals täglich zugefüttert, bzw. gepäppelt werden, am besten nach Packungsanleitung
    (z. B. HerbiCare Plus)

 

Päppelbrei

 

getrockneter Wiesenbärenklau

 

Verlauf

Ich möchte hier in wenigen Sätzen den Zeitlichen Ablauf und die Symptome schildern die mein Marshmallow hatte:

Die ersten beiden Tage fiel mir nur auf das er nicht, wie sonst, zum Futtern kam. Er war müde und desinteressiert.
Am 3. und 4. Tag stellte sich die Kopfschiefhaltung ein, er torkelte und schwankte wie ein Betrunkener. Futter verweigerte er komplett. Wir starteten die Behandlung mit den o. g. Medikamenten und begannen ihn zu päppeln, da er keine Nahrung mehr zu sich nehmen wollte. Seine Augen waren müde und er wollte nur noch schlafen, er hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Lebenswillen mehr.
Nach den ersten 3-4 Tagen Behandlung mit den Medikamenten fing er langsam wider an zu fressen. Anfangs nahm er ausschließlich Möhrengrün, Dill und ein wenig Heu zu sich.
Nach ca. 7 Tagen fing er langsam wieder an Kohl, Salat und Saaten mit Haferflocken zu knabbern.
Ca. 14 Tage nach Beginn der Behandlung machte er seine ersten vorsichtigen und unbeholfenen Ausflüge ins Gehege und verließ für kurze Augenblicke den Stall.
25 Tage nach der ersten Medikamentengabe war er wieder der Alte und sprang und hüpfte im Gehege umher. Es war ihm nicht mehr anzumerken das wir ihn 3,5 Wochen vorher beinahe an den Sensenmann verloren hätten.

Marshmallow ist wieder mittendrin

Bis uns selbst die EC getroffen hat kannte ich die Krankheit nur aus Schilderungen, Fotos und Videos anderer Halter. Ich fand die Symptome so erschreckend und die Kaninchen taten mir unheimlich leid! So nahm ich mir vor: „Sollte es uns mal treffen, würde ich das Kaninchen nicht leiden lassen, sondern es erlösen.“
Und dann kam der Tag und Marshmallow wurde krank 🙁 Natürlich konnte ich ihn nicht gehen lassen. Ich wollte das er lebt! Ich begann die Behandlung und ich muss zugeben das mir besonders die ersten Tage sehr schwer fielen. Er hatte keinen Lebenswillen mehr und bei jedem Päppeln sah er mich mit diesem Blick an, der sagte: „Warum lässt Du mich nicht gehen…? Ich will doch nur schlafen“  Es war wirklich schwer auszuhalten und ihn (gefühlt) gegen seinen Willen am Leben zu erhalten. Aber ich erinnere mich noch genau an das Glücksgefühl als er wieder anfing selbstständig zu fressen und mir damit seinen Willen zum Leben gezeigt hat. Das hat mich bestärkt darin durchzuhalten und die Behandlung weiter zu führen. Und das unglaubliche Gefühl als er, nach nicht mal 4 Wochen Behandlung, im Garten Freudensprünge gemacht hat und einfach nur glücklich war wieder gesund zu sein – das war unbeschreiblich! Das schönste Weihnachtsgeschenk das ich mir hätte wünschen können! Es war am 26.12.2019
Ich bin sehr froh das der kleine Mann letztendlich doch mit mir gekämpft hat und die Krankheit in einer Rekordzeit besiegt hat!

Warum erzähle ich Euch diese Geschichte?
Weil ich Euch ermutigen möchte durchzuhalten! Auch wenn es schwer ist und Ihr zweifelt: So lange noch Hoffnung besteht und Euer Kaninchen noch einen Hauch Lebenswillen zeigt: Haltet durch!

Marshmallows EC Geschichte in Bildern zusammengefasst: