Kastration Rammler

Die Kastration der Rammler ist in der Gruppenhaltung unerlässlich!
Mit ca. 12 Wochen (je nach Entwicklungsstand) sollte jeder Rammler, der nicht zur Zucht eingesetzt werden soll, kastriert werden.

Die Geschlechtsreife setzt im Regelfall bei Zwergkaninchen Rammlern ab der 12. Woche ein, bei Riesen mit ca. 4-5 Monaten.
Häsinnen werden später geschlechtsreif. Zwerge ab der ca. 16. Woche, Riesen mit ca. 6 Monaten.

Vor der Operation

Kaninchen müssen, anders als Menschen oder andere Haustiere, am OP Tag nicht nüchtern sein.
Durch den Stopfmagen der Kaninchen dürfen sie nie längere Zeit ohne Futter sein. Es empfiehlt sich am OP Tag in erster Linie leicht verdauliches Heu zu füttern und ein wenig davon auch, in der Transportbox, mit zum Tierarzt zu geben.

Rammler Hoden Hängehoden
unkastrierter Rammler mit Hängehoden

Beim unkastrierten Rammler sind die Hoden gut zu erkennen. Dieser Rammler hat relativ große Hoden und ein sehr großes Skrotum (Hodensack).
Diese sogenannten Hängehoden bringen für das Tier einige Probleme mit sich. Nicht nur das die tief hängenden Hoden sehr unangenehm sind, es kann auch sein das der Rammler sich auf die Hoden uriniert und diese dadurch gereizt und verschmutzt sind.
In diesem Fall wurde also nicht nur eine einfache Kastration gemacht, sondern das Skrotum wurde verkleinert, um Folgeprobleme zu vermeiden und das Infektionsrisiko zu senken.

Die OP dauert in der Regel nicht lange und man kann das Kaninchen nach einigen Stunden, wenn es vollständig aufgewacht ist, wieder beim Tierarzt abholen.

 

Kaninchen Hoden Kastration
entfernte Hoden und HodensäckeKastration

Kastration

 

Bei der Kastration werden die Hodensäcke mit einem kleinen Schnitt aufgeschnitten und die Hoden werden entfernt.

Der Schnitt wird mit wenigen Stichen vernäht. Im Regelfall werden selbstauflösende Fäden verwendet, die später nicht gezogen werden müssen.

Kastration Rammler
frische Operationsnaht nach der Kastration

 

In diesem Fall wurden etwas mehr Stiche gemacht, weil der Hodensack, wie oben beschrieben, gekürzt wurde.

nach ca. 10 Tagen ist die Kastrationsnaht verheilt

Nach der Kastration

Sobald die Narkose vollständig abgebaut ist und das Tier sich wieder normal bewegt kann es wieder zur Gruppe (auch im Außengehege). Unsere Rammler sind jeweils morgens zum Tierarzt gekommen und waren gegen 17.00/18.00 Uhr schon wieder im Gehege. Das vermeidet Stress durch Trennung und ungewohnten Lebensraum. Wenn es uns nicht gut geht möchten wir ja auch am liebsten in unserem eigenen Bett liegen. Warum sollte das bei Kaninchen anders sein? Nach der OP am liebsten wieder in den eigenen Stall, weil sie sich da doch am wohlsten und am sichersten fühlen.

Nach der Operation darf das Kaninchen sofort wieder fressen. Manche mögen noch nicht sofort Futter annehmen und lassen sich noch ein paar Stunden Zeit. Das ist kein Grund zur Beunruhigung.

Wichtig ist es dem Kaninchen leicht bekömmliches anzubieten, wie Küchenkräuter (Dill, Petersilie, Basilikum etc.) und Heu. Kohl sollte man am ersten Tag noch weg lassen.

Schmerzmittel am Tag nach der Kastration

Nachsorge

Am Operationstag wird das Kaninchen noch vom Tierarzt mit ausreichend Schmerzmittel versorgt. Die meisten Rammler benötigen nach der Kastration keine weiteren Schmerzmittel mehr. In einigen Fällen kann es auf Anraten des Tierarztes, angebracht sein den Rammler mit einem Schmerzmittel zu versorgen. Hier bietet sich zum Beispiel Metacam an, welches auch Entzündungshemmend wirkt.

Die Operationsnaht sollte täglich kontrolliert werden um auszuschließen das sie sich entzündet oder das Kaninchen sich selbst die Fäden zieht. In diesem Fall müsste es einen Kragen tragen.

Kastrationsfrist

Als Kastrationsfrist bezeichnet man die Zeit in der der frisch kastrierte Rammler noch separat sitzen sollte, damit er keine geschlechtsreifen Damen deckt.

Heißt also: Wenn man z. B. ein Geschwisterpaar hat oder zwei gleichaltrige Jungtiere geht man kein Risiko ein wenn der kleine Rammler bis zur 12. Woche kastriert wird. In diesem Fall muss KEINE Kastrafrist eingehalten werden!
Es wäre zu schade aus Unwissenheit die jungen Kaninchen zu trennen, weil eine falsche Empfehlung ausgesprochen wurde. Leider wird immer noch häufig zu einer Kastrafrist geraten einfach weil das ja so sein muss… „Kastration = Kastrationsfrist!“
Das ist nicht zwingend so! Die Kastrationsfrist sollte mit Sinn und Verstand aufgrund der Situation entschieden werden!
Meist wird noch zu 6 Wochen Trennung geraten, welche für das Tier natürlich Stress, & Einsamkeit bedeuten. Danach muss neu vergesellschaftet werden, was wiederum Stress für die Tiere bedeutet. Dies kann vermieden oder zumindest verkürzt werden.

Nach meinen Erfahrungen  reicht eine Kastrationsfrist, bei einem bereits potenten Rammler und geschlechtsreifen Damen in der Gruppe, von 10 Tagen aus.

Erläuterung zum Thema Kastrationsfrist findet Ihr unter den FAQs: Kastrafrist!

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kastration?

Frühkastration

Zwergkaninchen Rammler werden im Normalfall nicht vor der 12. Woche geschlechtsreif (Riesen meist später).  Möchte man auf Nummer sicher gehen, kann man vom Tierarzt eine Frühkastration machen lassen. Bei einer Frühkastration werden die Hoden entfernt bevor sie abgestiegen sind (also wenn sie noch im Bauchraum sind). Diese OP bieten allerdings nicht viele Tierärzte an. Zudem ist der Eingriff wesentlich invasiver, aufwändiger und risikoreicher als eine normal Kastration.

normale Kastration

Es normale Kastration findet zwischen der 11.-12. Wochen statt, wenn die Hoden abgestiegen sind und außerhalb des Bauchrames zu sehen und zu tasten sind. Hinweis: Bei der Untersuchung ist hier besondere Obacht wichtig, da die Rammler die Hoden auch zurückziehen können und diese nicht immer zu sehen sind.
Der Eingriff ist zu diesem Zeitpunkt deutlich einfacher, da es keine Bauch-OP ist und damit auch schonender für das Kaninchen. Häsinnen werden übrigens etwas später, so um die 16. Woche, geschlechtsreif.


Hinweise zur Kastration im Winter

 

Wird ein Kaninchen aus Außenhaltung im Winter kastriert, kann ich empfehlen es nach der OP in einem kalten Raum unterzubringen, bis es wieder ins Gehege kann. Es ist schonender für den Kreislauf wenn das Kaninchen nicht so starken Temperaturschwankungen ausgesetzt wird und nach der Zeit in der warmen Praxis  in einen kühlen Raum kommt um sich langsam wieder an die kühleren Temperaturen zu gewöhnen bevor es wieder nach Draußen kommt.