Kastration Rammler

Immer wieder kommt die Frage auf: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kastration???
Selbst Tierärzte geben immer wieder unterschiedliche Auskünfte und die Halter sind verwirrt.

Bei den Zwergkaninchen ist es so das die Rammler im Normalfall nicht vor der 12. Woche geschlechtsreif werden. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte kann man vom Tierarzt eine Frühkastration machen lassen. Dann werden die Hoden entfernt bevor sie abgestiegen sind (also wenn sie noch im Bauchraum sind). Diese OP bieten allerdings nicht viele Tierärzte an.
Es reicht aber auch absolut mit 11-12 Wochen zu kastrieren, wenn die Hoden bereits zu sehen sind. Dann ist der Eingriff deutlich einfacher, da es keine Bauch-OP ist und auch schonender für das Kaninchen. Ein Rammler wird bis zur 12. Woche sicher noch keinen Nachwuchs zeugen!
Häsinnen werden etwas später, so um die 16. Woche, geschlechtsreif.
Bei Riesen dauert es etwas länger, die Rammler werden frühestens mit 4-5 Monaten geschlechtsreif, die Häsinnen noch 1-2 Monate später.

Heißt also: Wenn man z. B. ein Geschwisterpaar hat oder zwei gleichaltrige Jungtiere geht man kein Risiko ein wenn der kleine Rammler bis zur 12. Woche kastriert wird. In diesem Fall muss KEINE Kastrafrist eingehalten werden!
Es wäre zu schade aus Unwissenheit die jungen Kaninchen für 6 Wochen zu trennen, weil eine falsche Empfehlung ausgesprochen wurde. Leider wird immer noch häufig zu einer Kastrafrist geraden einfach weil das ja so sein muss… Kastration = Kastrationsfrist
Diese 6 Wochen Trennung und die neue Vergesellschaftung danach bedeuten für die Tiere unheimlich viel Stress und sollten wenn möglich vermieden werden!

Selbst bei der Kastration von potenten Rammlern (die schon erfolgreich gedeckt haben) ist es sehr unwahrscheinlich das sie nach der Kastration noch zeugungsfähig sind. Das Risiko ist, meiner Meinung nach, als gering einzuschätzen. Ich habe unsere Rammler direkt nach der Kastration wieder zur Gruppe gesetzt und es gab keine kleinen Überraschungen.

Wundversorgung ist im Regelfall nicht notwendig. Manche Tierärzte empfehlen das Kaninchen mehrere Tage auf Handtüchern zu halten und nicht ins Stroh zu lassen ect.  Ehrlich gesagt ist das alles Unsinn! Es reicht in den Tagen nach der OP eine kurze Sichtkontrolle der OP-Narbe vorzunehmen. Eine Nachuntersuchung beim TA ist nur notwendig wenn es Auffälligkeiten gibt.

Sobald die Narkose weg ist und das Tier sich wieder normal bewegt kann es wieder zur Gruppe (auch im Außengehege). Unsere Rammler sind jeweils morgens zum Tierarzt gekommen und waren gegen 17.00/18.00 Uhr schon wieder im Gehege. Das vermeidet Stress durch Trennung und ungewohnten Lebensraum. Wenn es uns nicht gut geht möchten wir ja auch am liebsten in unserem eigenen Bett liegen. Warum sollte das bei Kaninchen anders sein? Nach der OP am liebsten wieder in den eigenen Stall, weil sie sich da doch am wohlsten und am sichersten fühlen.

Wird ein Kaninchen aus Außenhaltung im Winter kastriert kann ich empfehlen es nach der OP in einem kalten Raum unterzubringen bis es wieder ins Gehege kann. Es ist schonender für den Kreislauf wenn das Kaninchen nicht so starken Temperaturschwankungen ausgesetzt wird und nach der Zeit in der warmen Praxis  in einen kühlen Raum kommt um sich langsam wieder an die kühleren Temperaturen zu gewöhnen bevor es wieder nach Draußen kommt.