Gesundheit

Wenn man viele Kaninchen hat ergibt sich auch mal die ein oder andere Krankheit, einige möchten wir hier aufgreifen mit denen wir selbst Erfahrungen sammeln mussten oder die im Bekanntenkreis aufgetreten sind.

Wir möchten Euch gerne an unseren Erfahrungen teil haben lassen, betonen aber das wir keine Tierärzte sind und keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit erheben! Wir teilen hier lediglich unsere Erfahrungen mit und hoffen Euch den ein oder anderen guten Tip geben zu können.

Abwehrkräfte:

Zur Stärkung der Abwehrkräfte ist ein frischer Immunbrei super, den man im Winter und bei unsteter Witterung einmal die Woche geben kann, oder bei einer akuten Infektion täglich anbieten kann.

Immunbrei:

Rührschüssel & Pürierstab
2 Möhren
1 Apfel
1 Banane
5 – 10g Meerrettich 
10 – 20g Ingwer

Kräuter nach Wahl: z. B. Oregano, Basilikum, Salbei, Dill, Petersilie

Möhren, Apfel, Banane, Meerrettich und Ingwer klein würfeln.
Kräuter (nach Wahl) und das geschnittene Gemüse in die Rührschüssel geben.
Alle Zutaten so lange mit dem Pürierstab bearbeiten bis ein Brei entsteht.
Der Brei reicht für ca. 10 Portionen. Er kann im Kühlschrank einige Tage aufbewahrt werden, 
z. B. in einer Frischhaltedose.
Achtung: bitte nicht direkt aus dem Kühlschrank füttern!
Kalte Speisen sind nicht gut für die
Verdauung, da diese dann noch mehr arbeiten muss.

 

Allgemeines Unwohlsein

Die meisten Erkrankungen bei Kaninchen schlagen früher oder später auf die Verdauung. Das liegt mitunter daran das Kaninchen ihren Gesundheitszustand, wenn es ihnen schlecht geht, gut verbergen können. Das müssen sie in der Natur auch, sonst wären sie leichte Beute für ihre Feinde. Leider macht dieser Umstand es uns Kaninchen-Haltern oft schwer zu erkennen ob es den Kleinen gut geht oder nicht. 
Meist fällt erst dann auf das etwas nicht stimmt, wenn die Kaninchen das Futter verweigern. Leider ist es zu diesem Zeitpunkt oft schon zu spät. 
Die Verdauung der Kaninchen (sie haben einen sog. Stopfmagen – ihre Verdauung kann nur arbeiten wenn von oben immer neues Futter zugeführt wird) verträgt Lehrlauf ganz schlecht! Verweigert das Kaninchen also die Nahrungsaufnahme sind Verdauungsprobleme vorprogrammiert, welche leider schnell Lebensbedrohlich werden.

Daher sollten wir prophylaktisch darauf vorbereitet sein unserem Kaninchen im Notfall schnell helfen zu können. Als erste Maßnahme hilft hier RodiCare Akut sehr gut. Es geht die Darmtätigkeit an und beugt Aufgasungen vor.

Um den Appetit anzuregen, z. B. nach OPs oder anderen Behandlungen hat sich RodiCare Appetit bewährt. 

Frisst das Kaninchen zu lange nichts ist manchmal eine Zwangsernährung notwendig. Dazu gibt es spezielle Breie, die mit warmen Wasser angerührt werden und entweder vom Löffel oder einer kleinen Schüssel gefüttert werden. Verweigert das Kaninchen auch dies, kann man den Brei direkt mit einer Spritze (ohne Nadel) ins Mäulchen geben.
Um so einen Brei herzustellen nimmt man z. B. RodiCare Instant.

Da Kaninchen, besonders durch längere Nahrungsverweigerung zu Aufgasungen neigen, sollte man dem Päppelbrei aus dem RodiCare Instant zusätzlich ein paar Tropfen Sab Simplex (für Babys) hinzufügen. 

Beispiel:

Ich möchte hier anhand eines Beispiels eine mögliche Behandlung
aufzeigen:

Symptome:
Das Kaninchen ist apathisch, frisst nicht, liegt oder sitzt
teilnahmslos rum, hat schnelle Flankenatmung, ist
abgemagert, der Bauch ist weich.
Kurz vorher hatte es einen Schnupfen, der scheinbar
ausgeheilt war.

Diagnose:
Das Kaninchen hat eine beginnende Lungenentzündung (Diagnose
soll natürlich vom TA gestellt werden)

Behandlung:
1. Wir können das Kaninchen zuerst einmal mit RodiCare akut versorgen um
Magen-Darm-Problemen vorzubeugen.
2. Das Kaninchen bekommt nun (nach tierärztlicher Verordnung) 2-3mal täglich ein
Antibiotikum über einen Zeitraum von 7-10 Tagen.
Bis das Antibiotikum wirkt dauert es aber min. 2-3 Tage. Solange würde unser Kaninchen
ohne Futter nicht durchstehen. Also müssen wir es jetzt am Leben erhalten bis das Antibiotikum wirkt!
3. Das Kaninchen bekommt mehrmals täglich eine kleine Menge RodiCare Appetit (nach Packungsanweisung) und kurz danach einen Päppelbrei aus RodiCare Instant (bitte nach Packungsanleitung anmischen) und ein paar Tropfen Sab Simplex hinzufügen. Zuerst versuchen wir es mit dem Löffel oder in einer kleinen Schüssel, frisst das Kaninchen nicht selbstständig geben wir den Brei aus einer Spritze (ohne Nadel) direkt in Mäulchen. Bitte gut aufpassen das jeweils nur kleine Mengen langsam gegeben werden, so das das Kaninchen diesen auch schlucken kann und nicht einatmet! 
Die Zwangsernährung müssen wir solange durchhalten bis das Kaninchen wieder selbstständig frisst! Das sollte nach 1-3 Tagen der Fall sein. 
4. Fängt es wieder an selbst zu fressen, ist das kritischste meist schon überstanden. Es versteht sich von selbst das gut verdauliche Dinge wie Küchenkräuter (Dill, Petersilie, Basilikum, ect.), Salate, Wiese, usw. angeboten werden und keine schwer verdaulichen Gemüsesorten (wie Kohl z.B.). Gutes Heu sollte stets zur Verfügung stehen! Denn auch ein krankes Kaninchen mümmelt doch ab und an nochmal etwas Heu. 

Bitte immer eine ärztliche Diagnose einholen! 

 

Schnupfen

Leider ist Schnupfen für Kaninchen nicht so harmlos wie für uns Menschen,
daher ist es unbedingt notwendig ihn sofort zu behandeln. Ein durch Bakterien verursachter
Schnupfen äußert sich im fortgeschrittenen Stadium durch gelblichen Ausflug aus der Nase.
Durch eine verschnupfte Nase können Kaninchen nicht richtig atmen, was schnell eine Lungenentzündung auslösen kann. Akut kann man dem Kaninchen erstmal mit Baby-Nasentropfen helfen die Nase frei zu machen. Zur Stärkung des Immunsystems hilf Gladiator Plus, Echinacea-Kräuter und Atemkräuter von Makana.
Unterstützend wirkt auch RodiCare Pulmo und Abwehrkräuter-Pellets von Makana.

Die Kräuter müssen über einen längeren Zeitraum von mindestens zwei Wochen gegeben werden. Im Winter oder bei extrem wechselhaftem Wetter können die Immunstärkenden Kräuter wie Echinacea oder die Abwehrkräuter auch über einen längeren Zeitraum unters Futter gemischt werden um Infekten vorzubeugen.

Die Behandlung mit diesen Mitteln sollte unmittelbar nach Auftreten der ersten Symptome passieren. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand und es kommt Nasenausfluß, Fressunlust oder allgemeine Mattigkeit dazu, sollte unbedingt sofort der Tierarzt aufgesucht werden! Dieser kann das Kaninchen mit Antibiotika behandeln.

Bei einem viralen Schnupfen hilft leider kein Antibiotikum und er kann schnell chronisch werden. In diesem Fall hat das Kaninchen immer einen latenten Schnupfen der immer mal wieder ausbrechen kann, z. B. in Stress-Situationen. 
Hier hilft am besten die Unterstützung des Immunsystems mit Echinacea-Kräutern. 

 

 

tränende Augen

Kaninchen bekommen recht schnell mal tränende Augen. Ist die Ursache unklar sollte das Tier beim Tierarzt untersucht werden um auszuschließen das es von den Zähnen kommt.
Eine Bindehautentzüng sollte mit verschreibungspflichtigen Augentropfen behandelt werden und gehört damit auch in die Hände des Tierarztes.
Hat das Tier nur eine leichte Verletzung oder Reizung der Hornhaut kann man mit ein wenig Bepanthen Augen & Nasensalbe die Heilung unterstützen. Eine Verletzung der Hornhaut kann man nicht mit dem blossen Auge sehen, das muss vom Tierarzt mit Fluoron untersucht werden. Also im Zweifelsfall immer den Tierarzt aufsuchen!
Außerdem ist es empfehlenswert für kleinere Augenreizungen Euphrasia-Augentropfen im Haus zu haben. Die lindern die Beschwerden bei geröteten oder tränenden Augen.

 

verklebte Augen

Jungtiere neigen auch schon mal zu verklebten Augen. Auch hier helfen die Euphrasia-Augentropfen gut. Zuerst sollte das Auge vorsichtig mit einem feuchten, lauwarmen Waschlappen durchfeuchtet werden, danach gibt man einen Tropfen der Augentropfen ins Auge und widerholt das 3x täglich, an drei aufeinander folgenden Tagen. 
Sollten die Beschwerden nicht nachlassen unbedingt den TA aufsuchen. 

 

Milben

Gegen Milben haben wir sehr gute Ergebnisse mit Kieselgur erzielt. Es wirkt mechanisch auf die Milben und tötet sie ab ohne dabei Gift oder Chemie einsetzen zu müssen.
Eine kleine Menge Kieselgur ins Fell einreiben, bis auf die Haut und das zwei bis drei Tage hintereinander. Den Stall und die Einstreu etwas mit Kieselgur bestäuben, dann da leben die Milben und kommen meist aus verseuchtem Stroh oder Einstreu.
Das Kieselgur darf nur sparsam verwendet werden, da es in großen Mengen schädlich für die Lungen sein kann. Eine kleine Menge reicht absolut aus um gute Ergebnisse zu erzielen!
Bei einem starken Befall sollte man die Behandlung nach 10 Tagen wiederholen.
Die Anwendung von Kieselgur ist auch bei Jungtieren möglich.

 

Kokzidien

Die Behandlung von Kokzidien gehört in die Hände eines erfahrenen Tierarztes. Dieser wird 5%iges Baycox verschreiben. (bitte unbedingt darauf achten das es das milchige 5%ige ist und nicht das klare 2,5%ige, welches für Geflügel ist und für Kaninchen ungeeignet, da es ätzend in der Speiseröhre wirkt.
Das Baycox wird mit 0,2ml pro kg Körpergewicht des Kaninchens dosiert. Die mittlerweile Gängige Methode zur Verabreichung ist 2-5-2, d. h. 2 Tage geben, 5 Tage Pause, 2 Tage geben.
Zeitgleich sollten die Ställe gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Kokzidien und Ozysten (ihre Larven) sterben am besten bei hohen Temperaturen ab. Im Innengehege kann man z.B. alles heiss abwaschen oder mit dem Dampfreiniger bearbeiten.
Im Außengehege flämmt man Ställe, Möbel und Steinplatten am besten mit einem einem Unkrautvernichter ab.

Eine geringe Anzahl Kokzidien im Kaninchendarm ist übrigens normal und unbedenklich. Bei Stress oder falscher Ernährung können die Kokzidien allerdings Überhand nehmen und dann sollte behandelt werden. Treten Symptome auf wie Durchfall, Apathie oder häuft liegen bleibender Blinddarmkot empfiehlt es sich eine Kotprobe beim Tierarzt untersuchen zu lassen.

Vorbeugend kann man den Darm der Kaninchen mit Oregano-Öl unterstützen, das man ins Trinkwasser mischt.
Unsere bekommen regelmässig Röhnfried Darmwohl ins Wasser.

 

Kaninchenseuche RHD und RHD2

Leider greift zur Zeit die Kaninchenseuche RHD2 (auch Chinaseuche genannt) um sich und verbreitet sich in Deutschland rasend schnell. Auch bei uns in NRW (Essen, Mülheim, ect.) gab es leider einige Fälle von RHD2 und es werden immer mehr.

Die Viren übertragen sich durch Kontakt von Kaninchen zu Kaninchen, durch Schuhsolen (wenn man über eine verseuchte Wiese gelaufen ist), durch Obst und Gemüse aus dem Supermarkt und auch durch Insekten und andere Tiere. Sie sind äußerst resistent und widerstandsfähig.

Also unsere inständige Bitte an Euch: lasst Eure Tiere mit Filavac oder Eravac gegen RHD und RHD2 impfen. Nichts sonst schützt Eure Kaninchen vor dieser tückischen und hochgradig ansteckenden Krankheit.

Wenn Euch die Seuche erwischen sollte haben die betroffenen Tiere kaum eine Chance wenn sie nicht geimpft sind.
Wollt Ihr das Gehege nach einem RHD-Ausbruch neu mit Kaninchen besetzen gilt es darauf zu achten das die Kaninchen mit Filavac oder Eravac geimpft sind und das nach der 10. Woche! Man kann die Kaninchen ab der 4. Woche bereits impfen, zu diesem Zeitpunkt wirken aber noch die maternalen Antikörper, so das der Wirkstoff noch nicht 100%ig wirksam ist. Ein Kaninchen das so früh geimpft wurde MUSS auf jeden Fall mit 10 Wochen nochmal nachgeimpft (geboostert) werden um einen guten Impfschutz aufzubauen! Der volle Impfschutz ist normalerweise 7 Tage nach der Impfung vorhanden. Möchte man das Kaninchen in ein bereits mit RHD infiziertes Gehege setzen würde ich mindestens 14 Tage warten!

Das Gehege sollte sehr gründlich gereinigt und desinfiziert werden! Zur Desinfektion eignet sich z. B. Chloramin T 
und/oder Peressigsäure, auch für Ställe und Einrichtungsgegenstände aus Holz. Beides bitte unbedingt nach Vorschrift verwenden, da es sonst nicht wirken kann. Platten im Gehege kann man auch gut mit Hitze behandeln, z. B. mit einem Unkrautvernichter. Trotzdem sollte man sich darüber im klaren sein das die RHD Viren bis zu 7 Monate im Gehege bleiben, durch die Reinigung kann man nur den Virendruck senken aber nicht alle Viren beseitigen. Das A und O ist also:
NUR geimpfte Tiere! Nach der 10. Woche, mit Filavac oder Eravac, die Impfung sollte mindestens 14 Tage her sein, das Tier sollte vor der Impfung auf Kokzidien untersucht worden sein, da die Impfe sonst, bei einem hohen Befall, möglicherweise unwirksam ist.

An RHD oder RHD2 verstorbene Tiere dürfen keinesfalls im Garten beigesetzt werden! Die Viren verbreiten sich über die Erde und überleben unter Umständen mehrere Jahre im Erdreich.